U10 :: Erfolg beim 30. Göttinger Mini-Turnier (1068 Aufrufe)
eingereicht von Scheuring am Mittwoch, 17. Juni 2009, 18:07 Uhr

Auch wenn es das erste Basketball-Turnier ihres Lebens werden würde: Diesmal lag die Latte für die U10 der
BCH-
TIGERS schon vor Beginn der Veranstaltung ziemlich hoch. Hatte doch der BCH vor zwei Jahren beim "größten Basketball-Mini-Turnier Europas" eine beeindruckende Silbermedaille gewonnen. "Diese Platzierung," meinte Coach Frank noch vor der Abfahrt, "würde ich eigentlich gerne wieder erreichen."
"Das könnte schwierig werden", meinte er, als er in Göttingen ankam und von der Auslosung der Gruppen erfuhr: Erster Gegner der TIGERS sollte mit der SG Braunschweig genau jene Mannschaft sein, gegen die sie zwei Jahre zuvor im Endspiel verloren hatten. Und danach traf man auf den TUS Lichterfelde, den alle hier zum Topfavoriten erklärten. So sahen es jedenfalls die anwesenden Trainer.
"Naja", meinte Frank deshalb zu seinen Jungs, "eigentlich sind wir doch hier, um Spaß zu haben mit unserem Sport."
Aber auch das mit dem Spaß war nicht so einfach. Zumindest nicht in der ersten Nacht, als der ganze Trupp in einer Sporthalle nächtigte - zusammen mit hundert anderen Jungs, die das Wort "Bettruhe" nicht in ihrem aktiven Sprachschatz führten. (Dafür Sätze wie: "Halt die Fresse Alter, Du hast mir hier gar nix zu sag'n.")
Auch am nächsten Morgen war die Stimmung eher gedämpft, weil die
TIGERS dann zum ersten Mal auf ihre Gegner trafen: Jeder Gegenspieler war ungefähr einen Kopf größer und deutlich älter und machte beim Einwerfen eine schwer professionelle Figur. Unter den Körben würden die TIGERS wenige Chancen bekommen. Soviel schien schon mal festzustehen.
Aber dann begann das erste Spiel gegen Braunschweig und von der ersten Sekunde an fand jeder Pass der TIGERS den Adressaten und jeder Freiwurf den Weg ins Netz. Es gab eine leidenschaftliche Defense und schnelle Fastbreaks und ein geduldiges Passspiel, wenn der Raum eng wurde in der Zone. Schon nach wenigen Minuten führten die TIGERS mit mehr als zehn Punkten und dieser Vorsprung schmolz auch nicht, als dann die weniger erfahrenen Spieler zum Einsatz kamen. Am Ende hieß es 42:22 für die U10 des
BCH.
Das zweite Spiel gegen den Turnierfavoriten sollte dann etwas anders verlaufen - auch wenn es ähnlich begann: Mit mehr als zehn Punkten Vorsprung führten die TIGERS bereits nach ungefähr zehn Minuten. Dann aber kam ein Leistungsträger nach dem anderen in Foul-Schwierigkeiten, so dass es an den Bank-Spielern war, den körperlich überlegenen Gegnern zu trotzen. Zur Pause hieß es immer noch 18:10. Mitte der zweiten Halbzeit führten die TIGERS nur noch mit einem, einzigen Korb. Und eineinhalb Minuten vor Schluss lagen sie schließlich mit zwei Punkten hinten. Dann endlich schickte der Trainer seine Starting-Four wieder zurück auf's Feld. Auch wenn sich drei von ihnen kein einziges Foul mehr erlauben durften.

Auf der Tribüne, bei den mitgereisten Eltern, sah es zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen aus: Eine Mutter tigerte hinter den Stuhlreihen auf und ab und konnte gar nicht mehr runter aufs Spielfeld schauen. Der dazugehörende Vater hockte mit einem dicken Kloß im Hals auf seinem Sitz, und brachte kein einziges Wort heraus. Dafür rief der andere Vater pausenlos irgendwelche Anweisungen runter auf's Feld, die dort schon rein akustisch niemand verstand. Und Frank pendelte wie ein hospitalisierter Braunbär im Zoo zwischen Bank und Kampfgericht hin und her, um alle zehn Sekunden nach dem Spielstand und der verbleibenden Zeit zu fragen.
Nur die Spieler behielten die Übersicht. Innerhalb einer Minute verwandelten sie den Rückstand wieder in einen Fünf-Punkte-Vorsprung und gaben diesen auch bis zum Schlusspfiff nicht wieder her. Danach war die Zwischenrunde erreicht aber der Coach ein nervliches Wrack, und die Jungs schauten sich an und meinten: "Habt ihr das gesehen, Frank hat sogar ein bisschen geweint."
Der Trainer dagegen sagte: "Ihr habt soo super gekämpft und soo super gespielt, Ihr könnt wirklich stolz auf Euch sein. Jeder Einzelne." Später meinte er noch: "Es war eine der besten Entscheidungen meines Lebens, diese U10 zu trainieren."
Vielleicht ist es diese besondere Bindung, die aus der U10 eine solche Einheit geformt hat. Auch in Göttingen trat kaum eine andere Mannschaft derart geschlossen auf. Weder auf dem Platz noch daneben. Kaum eine spielte technisch versierter, kaum eine agierte taktisch klüger und kaum eine zeigte dabei ein besseres Passspiel. (Das klingt jetzt aus dem Mund eines emotional Betroffenen nicht sonderlich objektiv, aber diese Sätze stammen nicht von mir, sondern von Schiedsrichtern und anderen Trainern auf dem Turnier.)
Nur zum Anfang des dritten Spieles passten sie nicht so richtig. Als hätte das vergangene Match jede Konzentration abgesaugt. Zwar kamen die meisten Pässe immer noch an, aber kaum ein Korbleger wollte fallen, und bei den Freiwürfen sah es nicht so viel besser aus. Am Ende wurde der MTV Herzberg trotzdem deutlich mit 47:34 besiegt. Es war das letzte Spiel des ersten Tages.
Danach gab es selbst gegrillte Würstchen und Steaks für die Jungs und Rotwein für die Begleiter, um wenigstens diesmal die Nacht erträglich zu zeichnen. (Hat auch ziemlich gut funktioniert).
Am nächsten Morgen wurde dann im Halbfinale die Mannschaft des Ausrichter BG 74 Göttingen mit 34:19 nach Hause geschickt.

Und im Endspiel wartete mit dem ASC 46 eine weitere Göttinger Mannschaft. Rein körperlich hatte sie Ähnlichkeiten mit Lichterfelde: Einige Leuchttürme, einige schnelle Leute und ein breite Bank. Im Unterschied zu den Berlinern hatte sie außerdem noch einen stimmgewaltigen (aber ausgesprochen fairen) elterlichen Fanclub dabei. Der allerdings wurde mit fortlaufender Spielzeit immer dezenter. Denn auch dieses Match folgte der Dramaturgie der anderen Spiele. Schon in den ersten Minuten zeigten die TIGERS, wer dieses Match am Ende gewinnen wird, und der Rest war dann von beiden Seiten aus ein leidenschaftliches, schönes Basketballspiel. 39:24 hieß es zum Schluss. Platz 1 für die BCH-TIGERS. Noch auf dem Spielfeld inszenierten die Jungs eine la ola, die Tribüne machte begeistert mit, und selbst der gegnerische Fanblock applaudierte den Siegern. Verdient gewonnen, das war auch dort die einhellige Meinung.
Die glorreichen 8 heißen:
Arne, Arthur, Carlo, John, Lenny, Luis, Paul und Tim